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American Football - Eine kurze Einführung
Wer der Meinung ist, American Football sei eine wilde Rauferei ohne Sinn und Verstand, der wird hier eines Besseren belehrt.
Allgemeines :: Team und Spiel :: Offense :: Defense :: Spielablauf :: Feinheiten
1. Allgemeines
American Football ist in Deutschland längst keine Randsportart mehr, doch neben den großen Teams der NFL Europe gibt es auch den ganz normalen Spielbetrieb in verschiedenen Spielklassen, so wie im Fußball auch. Fast jede größere Stadt hat ein oder mehrere Football Teams, die in einer der 7 Spielklassen in der Bundesrepublik um Ruhm und Ehre kämpfen. Die einzelnen Klassen sind, je nachdem wieviel Mannschaften darin zu finden sind, in verschiedene regionale Bereiche gegliedert. Bei den unteren Klassen sind das typischerweise die Bundesländer, in den höheren dann die geographische Zugehörigkeit (Nord/Ost/Süd/West/Mitte). In den neuen Bundesländern sind in den unteren Ligen oft nicht genug Mannschaften vorhanden, so daß hier der Einstieg teilweise direkt in die Verbandsliga oder die Oberliga erfolgt. Die unterste Spielklasse ist die Bezirks-/Aufbauliga. Hier geht es im wesentlichen darum erste Erfahrungen zu sammeln, und zu zeigen daß man spielfähig ist Die erste “richtge” Liga ist dann die Landesliga , und wer einigermaßen gut organisiert ist, schafft problemlos den Sprung in die Verbandsliga. Hier geht es dann schon etwas härter zur Sache. Die besten dieser Liga steigen dann in die Oberliga auf. Zwar bewegt sich hier das Niveau derzeit noch auf einer Freizeit/Amateur Ebene, doch es wird schon mit allen Tricks, Kniffen und mit vollem Einsatz gekämpft. Wer es schafft sich hier durchzusetzen, kann sich mit den besten messen. Die Regionalliga stellt den EInstieg in den gut organisierten und etwas professionelleren Bereich des American Football dar. Die Anzahl der regionalen Klassen schrumpft hier auf 4. Es gibt die Regionalliga Nord/Ost, West, Mitte und Süd. Wer sich hier nach oben gekämpft hat, der kann sein Können in der 2. Bundesliga unter beweis stellen. In die Regionen Nord und Süd gegliedert, wird hier bereits Football der besten Sorte geboten. Die Teams sind hier größer, und die Spieler im allgemeinen kräftiger als in den unteren Ligen, denn spätestens jetzt geht es richtig hart zur Sache. Und wer auch jetzt noch alle seine Gegner bezwingen konnte, der hat es endgültig geschafft, und spielt in der German Football League. Das ist die 1. Bundesliga im American Football, aber in Anlehnung an die amerikanischen Vorbilder hört sich GFL irgendwie besser an als ein schnödes “Bundesliga”. Im Gegensatz zum Fußball sind die regionalen Ligen im American Football meist in zwei oder mehr Gruppen unterteilt. Um den Meister und Aufsteiger in die nächste Liga zu ermitteln, werden zu Ende der Saison dann die sogenannten Play-Offs ausgetragen. Hier spielen die ersten und zweiten der entsprechenden Gruppen untereinander den Meistertitel aus. Der Sieger des Endspiels steigt auf, der Verlierer kann manchmal die goldene Annanas in Form einer Trophäe wie z.B. den East-Bowl erringen. Das klingt jetzt ziehmlich kompliziert, ist aber recht einfach. Neben den hier aufgezählten Ligen gibt es noch eine Damenliga und eine Jugendliga, die, da recht dünn besetzt, in weniger Klassen ausgespielt werden. Wem das jetzt nicht genügte, der sei auf die Seiten von Andreas Stojalowski verwiesen.
2. Team und Spiel Im Gegensatz zu den meisten mitteleuropäischen Ballsportarten kämpft man beim American Football nicht um Tore, sondern um Raumgewinn. Dieser, traditionell mit Yards bezeichnet, entscheidet hier über Sieg und Niederlage. Das ganze Spiel läuft in 4 Vierteln zu jeweils 12 Minuten ab. In dieser Zeit folgt immer auf eine Aktion, den sogenannten Spielzug, eine kurze Zeit der Pause, in der Entscheidungen über den Fortgang des Spiels gefällt werden. Situationen wie im Fußball, wo der Ball "läuft", haben beim American Football Seltenheitswert. Jeder Spielzug startet an einer imaginären Linie, der Line of Scrimmage. Deren Position wird durch das Ende des vorhergegangenen Spielzugs (das zu Boden bringen des Ballträgers durch die Verteidigung) bestimmt. Die Feldpositionen sind zu jedem Zeitpunkt klar vergeben. Immer kämpft eine elfköpfige Offense-Formation im Angriff gegen eine gleichstarke Defense-Formation des gegnerischen Teams in der Verteidigung. So muß jede Mannschaft über spezialisierte Gruppen für bestimmte Aufgaben verfügen: Neben Offense und Defense sind das noch sogenannte Special-Teams die wieder aus jeweils 11 Mann bestehen. Deshalb sprengen die Teams, die hier gegeneinander antreten, meistens auch zahlenmäßig jeden Rahmen. Idealerweise ist jeder Teil eine Gruppe von Spezialisten und die wenigsten Spieler treten in mehreren Formationen an. Mannschaftsstärken von 60 und mehr sind in den USA an der Tagesordnung. Bei uns sind die Grenzen nicht so klar zu ziehen, und die Besetzung der Special-Teams erfolgt meistens aus den Reihen von Offense und Defense. Dennoch sind auch hier 40 Spieler keine Seltenheit. Aus der Vielzahl von Gruppen in einer Mannschaft resultiert die Tatsache, daß es beim Football auch nicht den idealen Spieler gibt. Sind beim Fußball die körperlichen Voraussetzungen für Jeden weitestgehend allgemeingültig, bietet American Football Platz für die verschiedensten Charaktere.
3. Offense Die Angriffsformation jedes Football-Teams besteht aus 11 Spielern. Um Punkte zu erzielen, versucht sie, die "Endzone", an der Stirnseite des Spielfelds, mit einem Ballträger zu erreichen. Damit solche Versuche nicht beliebig lange dauern, muß die Offense in höchstens vier aufeinanderfolgenden Spielzügen mindestens 10 Yards überbrücken. Gelingt ihr das, bekommt sie vier weitere Versuche für die nächsten 10 Yards. Erreicht sie dieses Minimum nicht, wechselt das Angriffsrecht. Fünf Herren bilden in der sogenannten Offense-Line den Schutzschild und die treibende Kraft. Körperlich am gewichtigsten, ist es ihre Aufgabe, die Mitspieler zu schützen, und den Weg nach Vorn zu bahnen. Sie dürfen selbst nicht als Ballträger auftreten (Ausnahmen bestätigen die Regel)! Dafür gibt es besondere Paßempfänger (Receiver) und Läufer (Running-Backs). Erstere folgen bei jedem Spielzug vorher abgesprochenen, festgelegten Paß-Routen über das Feld und sind immer potentielle Empfänger eines geworfenen Balls. Die Running-Backs sind prädestiniert dafür, den Ball nach vorn zu tragen. Dafür nutzen sie Löcher, die die Line nach klaren Vorgaben in die Reihen der Verteidigung zu reißen versucht. Weniger spezialisiert ist der Tight-End. Er kann sowohl auf eine Paßroute geschickt als auch zur Unterstützung der Line oder als Back eingesetzt werden. Der Kopf des Angriffs ist der Quarterback. Er steht hinter dem Center und bekommt von diesem zu Beginn jedes Spielzugs den Ball übergeben. Diesen gibt er dann entweder direkt an einen Running-Back oder er wirft einen Paß zu einem Receiver. Von ihm geht die Koordination des gesamten Angriffs aus, er muß in kurzer Zeit über den nächsten Spielzug entscheiden, das Startzeichen geben, und den Ball an seine Mitspieler verteilen. Mit seinen Fähigkeiten steht und fällt die Effizienz des Angriffs, weshalb er auch der am besten beschützte Spieler, und beliebtestes Ziel der gegnerischen Verteidigung ist. 4. Defense Zwischen der Offense und der Endzone stehen 11 Spieler des gegnerischen Teams. Sie sind nur darauf aus, jeden Spielzug der Angreifer schnellstmöglich zu stoppen und Raumgewinn zu verhindern. Ihre Aufstellung ist nicht so fixiert, wie die der Offense. Das liegt hauptsächlich daran, daß die Defense immer reagieren, und sich den Aktionen des Angriffs anpassen muß. Zum besseren Verständnis möchte ich hier die sogenannte 4-3 - Formation, eine einfache Grundaufstellung, näher beschreiben. Dabei bezeichnen die Zahlen die Anzahl der Spieler in der ersten und zweiten Linie. Wie die Offense-Line verfügt auch die Verteidigung über eine Line. Ihre Aufgabe ist es, den Lauf der Running-Backs zu stoppen, oder bei einem Paßversuch den Quarterback am Werfen zu hindern. Auch auf Seiten der Verteidigung werden hier nur die kräftigsten Spieler eingesetzt. Als Gegenspieler der Receiver spielen die Cornerbacks. Sie bleiben die ganze Zeit an deren Seite, und versuchen, das Fangen des Balls regelgerecht zu verhindern. In der zweiten Reihe stehen in unserer Beispielaufstellung drei Linebacker. Sie sind die Unterstützung der Line beim Kampf gegen das Laufspiel und sichern bei Paßversuchen auch die Receiver. Hierfür werden besonders schnelle Spieler bevorzugt, die in kurzer Zeit das Geschehen erfassen und entsprechend reagieren können. Als "Notnagel" und zur Unterstützung der Cornerbacks bei langen Pässen, stehen Safeties am weitesten hinter der Line. Wenn ein Runningback sowohl die Linie als auch die Linebacker überwinden konnte, liegt es dann am Strong-Safety, den Vorwärtsdrang zu stoppen. Der Free-Safety ist dagegen mehr als Unterstützung der Cornerbacks gegen lange Pässe gedacht. Bei diesen Spielern gilt besonders, daß sie sowohl das Fangen eines Balles verhindern können, als auch allein auf weitem Feld in der Lage sind, einen Ballträger zu stoppen.
5. Spielablauf Wie beim Fußball beginnt ein Footballspiel mit einem Münzwurf . Die Mannschaft, die mit der Verteidigung beginnt (hier als Team A bezeichnet), stellt ihr Kickoff-Team aufs Feld. Diesem gegenüber stehen die zukünftigen Angreifer (Team B) mit ihrem Kickoff-Return-Team. Nun kickt Team A den Ball von der eigenen 35 Yard-Line so weit wie möglich in die Hälfte von Team B, wo der Returner den Ball fängt und versucht, ihn soweit wie möglich wieder zurück zu tragen. Wo dieser Versuch endet, beginnt Team B mit seiner Offense den ersten Spielzug. Zu diesem Zeitpunkt ist das ihr erster Versuch und es sind noch zehn Yards, die sie mindestens gehen müssen, um das Angriffsrecht zu behalten! Die Beschreibung dieser Spielsituation lautet kurz: "1. und 10". Markierungen (Down-Marker) am Spielfeldrand zeigen die Position des 1. Versuchs (First Down) und das Ende der 10 Yards an. Eine weitere zeigt zusätzlich die Nummer und Position des aktuellen Spielzugs. Angenommen, Team B steht irgendwann vor der Endzone und trägt mit einem Paß oder Lauf den Ball hinein. Für diesen Touchdown gibt es 6 Punkte und den Anspruch auf einen weiteren Versuch für einen (Kick durch die Torstangen) oder zwei Zusatzpunkte (weiterer Lauf oder Paß in die Endzone). Danach beginnt Team A mit dem Kick-Return und seinem Angriff. Ist hingegen abzusehen, daß Team B keine 10 Yards überbrücken kann (z.B. bei "4. und 10"), wählt es dann meistens einen Punt. Dabei wird der Ball einfach nach vorn geschossen, ohne daß ihn ein eigener Spieler fangen soll. Vielmehr soll ihn Team A fangen und soweit wie möglich nach vorn tragen. In der Regel verschafft Team B seinem Gegner dadurch eine schlechtere Ausgangssituation, als wenn es den 4. Versuch ausspielen und das Angriffsrecht an dieser Stelle abgeben würde. Nach Ablauf des ersten Viertels erfolgt ein Seitenwechsel, ohne größere Pause. In der Halbzeit gibt es eine Pause und die zweite Hälfte beginnt wieder mit einem Kickoff. Die Spieluhr läuft dabei nicht kontinuierlich! Wenn ein Paß nicht gefangen wird, ein Spieler mit dem Ball aus dem Feld läuft, ein Schiedsrichter die Uhr anhält oder einfach ein Spieler eine Auszeit (Timeout) nimmt, wird die Zeit gestoppt, bis zum Anpfiff des nächsten Downs.
6. Feinheiten Zur Abrundung unserer bisher sehr komprimierten Regelkunde gibt es heute einen tieferen Einblick in einige Spielabläufe. Zum Beispiel zu den Kriterien der Beendigung eines Spielzugs: Nach den Regeln des American Football Verbands von Deutschland ist ein Spieler zu Boden gebracht, wenn irgend ein Körperteil außer Hand und Fuß den Boden berühren. Unabhängig davon, ob er noch weiter laufen kann oder nicht, ist damit der Spielzug beendet. Das gleiche gilt für den Fall, daß ein Paß nicht gefangen wird oder der Ballträger das Spielfeld verläßt, das heißt, mit mindestens einem Fuß auf die Begrenzungslinie tritt. Wenn keine dieser Regeln greift, der Ballträger aber trotzdem nicht mehr vorwärts kommt, oder gar von der Verteidigung zurückgedrängt wird, liegt der Zeitpunkt, den Spielzug zu beenden, im Ermessen des Schiedsrichters. Als Position des nächsten Spielzuges gilt dann der Punkt, an dem der Angreifer mit dem Ball am weitesten vorn gewesen war. Gleiche Feinheiten gibt es auch für die Definition eines gefangenen Passes. Ein Paß gilt als vollständig, wenn sich der Fänger mit mindestens einem Fuß innerhalb des Spielfeldes befindet und den Ball kontrolliert - auch hier gibt es einen Ermessensspielraum! Beides gilt für Pässe ins Spielfeld und in die Endzone, zum Touchdown, wo es meistens die spannendsten Situationen gibt. Das Punkten ist nicht auf die Offense beschränkt. Die Verteidigung zum Beispiel hat die Möglichkeit, den Ballträger in seiner eigenen Endzone zu Fall zu bringen, was als Safety bezeichnet wird und 2 Punkte bringt. Außerdem kann sie natürlich jeden geworfenen Paß abfangen (Interception) und in die gegnerische Endzone tragen (Touchdown, 6 Punkte). Wenn die Offense nicht das große Ziel erreicht, kann sie auch aus einer beliebigen Feldposition ein Field-Goal versuchen (Kick durch die Torstangen für 3 Punkte, meistens im 4. Versuch aber dicht an der Endzone gespielt). Die besten Kicker treffen auch aus Entfernungen von mehr als 50 Yards!
(Markus Fieber)
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